Denkzettel 227

Les­sing, der man­cher­lei Be­schrän­kung un­wil­lig fühl­te, läßt ei­ne sei­ner Per­so­nen sa­gen: „Nie­mand muß müs­sen.“ Ein geist­rei­cher froh­ge­sinn­ter Mann sag­te: „Wer will, der muß.“ Ein drit­ter, frei­lich ein Ge­bil­de­ter, füg­te hin­zu: „Wer ein­sieht, der will auch.“

Und so glaub­te man den gan­zen Kreis des Er­ken­nens, Wol­lens und Müs­sens ab­ge­schlos­sen zu ha­ben. Aber im Durch­schnitt be­stimmt die Er­kennt­nis des Men­schen, von wel­cher Art sie auch sei, sein Tun und Las­sen; des­we­gen auch nichts schreck­li­cher ist, als die Un­wis­sen­heit han­deln zu sehen.

Jo­hann Wolf­gang v. Goethe

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