Denkzettel 102

Wenn Un­ge­rech­tig­keit fest­ge­stellt wird, wird ir­gend­et­was ir­gend­ei­nem Maß nicht gerecht.
Z.B. das ei­ge­ne Le­ben oder je­nes An­de­rer den ei­ge­nen oder frem­den Er­war­tun­gen nicht.
Und Er­war­tun­gen wer­den mit Re­geln be­grün­det; „in der Re­gel“, „re­gel­mä­ßig“, „re­gel­kon­form“, wie man so sagt.
(Oder auch: „So soll es sein!“ — Auch nichts an­de­res als ei­ne Regel.)
(So ge­se­hen sind Ent­täu­schun­gen zu den Un­ge­rech­tig­kei­ten die­ser Welt zu zählen.)

Es kann auch ge­sagt wer­den: Ir­gend­et­was rich­tet sich nicht nach ei­ner Re­gel oder den Re­geln aus. Dann ist es nicht rich­tig (aus­ge­rich­tet).

(Und Re­gel­mä­ßig­keit, Re­gel­rich­tig­keit, Re­gel­kon­for­mi­tät kön­nen wir am Him­mel be­ob­ach­ten; Tag für Tag, Nacht für Nacht.)

Doch was sagt das über die Ge­rech­tig­keit von Re­geln? Wenn ei­ne Re­gel selbst als ge­recht an­er­kannt ist — wo ist das Maß da­für? Wem oder was wird ei­ne sol­che Re­gel ge­recht? Und wel­cher Re­gel ge­horcht dann die­ses Maß?

(Je­des Re­gel­werk hat ei­nen un­ge­re­gel­ten Anfang.)

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