Denkzettel 266

Wis­sen­schaft­ler und Lei­den­schaft­ler. Die Ers­te­ren (ver)schaffen Wis­sen, die Letz­te­ren Lei­den. Ers­te­re füh­len sich der Ra­tio­na­li­tät ver­pflich­tet, letz­te­re sind dem Äs­the­ti­schem freund­lich gesinnt.

(„Lei­den“ wie in: „Dich kann ich (nicht) gut leiden.“)
(Und ja: Es gibt lei­den­schaft­li­che Wis­sen­schaft­ler, im Gu­ten wie im Bö­sen, wie es in bei­dem wis­sent­li­che Lei­den­schaft­ler gibt.)

Denkzettel 258

Wes­sen hal­ber doch ei­ni­ge der jun­gen Men­schen wohl so auf die Wis­sen­schaft – i. S. ob­jek­ti­ver Em­pi­rie – bau­en für ih­re Ar­gu­men­ta­ti­on für Die­ses, wi­der Je­nes? Nun, viel­leicht ja des­sen hal­ber, als sie die Dra­ma­tik der bren­nen­den Hüt­te mö­gen (Krie­ge und an­de­res Un­bill ha­ben sie ja i. A. we­der di­rekt noch in­di­rekt als un­mit­tel­ba­re Nach­fol­ge­ge­nera­ti­on er­lebt, hun­gern in­des nach Grenz­erfah­rung, die den Men­schen ja (er)wachsen lässt) und sie zu­gleich die per­sön­li­che Em­pi­rie ei­nes Feu­er­wehr­haupt­men­schen noch nicht in ih­re un­mit­tel­ba­re Er­fah­rungs­welt ein­bau­en konnten.
(Was nicht heißt, Feu­er­wehr­obe­ren­de könn­ten nicht irren.)

Denkzettel 257

Die Fra­ge darf, kann und will ge­stellt sein, in­wie­weit uns ein Pri­mat der Ra­tio­na­li­tät (sel­bi­ge ver­kör­pert z. B. durch die Wis­sen­schaft) nicht letzt­lich von un­se­rem Ha­bi­tat ent­frem­det. Ge­lingt dem Men­schen die Re­gu­la­ti­on des Kli­ma­wan­dels auf Ba­sis wis­sen­schaft­li­cher Me­tho­dik, wird er mit der Hy­bris der All­re­gel­ge­walt in sein Ver­der­ben ren­nen. (Das frei­lich rein hypothetisch.)

Denkzettel 130

Viel­leicht soll­te in der Phi­lo­so­phie zwi­schen der Philosophie als Wis­sen­schaft, ei­nem ver­stan­des­ge­trie­be­nen, ra­tio­nal-dis­kur­si­ven „Re­den über“ und der Philosophie als Le­bens­art, ei­nem ver­nunft­ge­tra­ge­nen, re­la­tio­nal-nar­ra­ti­ven „Re­den von“, un­ter­schie­den werden.

Bei­de äu­ßern sich zur in­tel­li­gi­blen Wirk­lich­keit, die wir mit un­se­ren Wahr­hei­ten zu­sam­men( )bau­en.

(Es ist klar, dass die Philosophie als Le­bens­art mehr (auf)zeigt denn die Philosophie als Wis­sen­schaft (aus)sagen kann. »non vi­tae sed scho­lae di­sci­mus« — nicht für die Wis­sen­schaft, für das Le­ben soll­ten wir phi­lo­so­phie­ren. Gleich­wohl: die Wis­sen­schaft ist Teil des Lebens.)

Ein Blick nur

Eine kurze Meditation.

Die Tat der Sa­che ist es,
sich zu An­de­rem zu verhalten.

Ist es ei­ne Tat der Sa­che? Doch wohl eher ei­ne Tat ei­nes Wesens.

Nicht die Sa­che ist der Tä­ter, das Tä­ti­ge. (Es ist z. B. ein Mensch.)

Ein Stein wird erst durch z. B. den Men­schen zum Werk­zeug, ein Ham­mer zur Keule.

Was al­so ist ei­ne Tat­sa­che? Die Wirk­lich­keit ei­nes Sach­ver­hal­tes! Das Wirk­lich wer­den ei­nes Sach­ver­halts, z. B. durch den Menschen.

Die Aus­sa­ge: „Das Gras ist grün.“ wird erst durch ein We­sen wahr, wirk­lich. (z. B. durch ei­nen Menschen.)

Doch ein ge­eig­ne­tes Mess­in­stru­ment be­legt doch, dass das Gras auch oh­ne ei­nen ein­zi­gen Men­schen grün ist!

Ja, ja! Nur: Wo stammt das Mess­in­stru­ment her? Ist es vom Him­mel gefallen?

Und über­haupt: Ist das Gras auch bei Neu­mond und stark be­deck­tem Him­mel und oh­ne Ta­schen­lam­pe o. ä. grün? Ja?

Man le­ge ei­nen em­pi­ri­schen, wirk­lich em­pi­ri­schen, al­so sinn­lich er­fahr­ba­ren, Be­weis da­für vor und kei­nen theo­re­ti­schen, epis­te­mi­schen, logischen!

Das sinn­lich nicht Be­leg­ba­re be­deu­tet kei­nes­wegs, dass es sich nicht tat­säch­lich so ver­hält, wie ei­ne Theo­rie, wiss. Er­kennt­nis oder Lo­gik ver­mu­tet, vor­her­sagt, besagt!

Doch vom wahr­lich Em­pi­ri­schen her bleibt uns doch nichts an­de­res üb­rig, als ei­ner theo­re­ti­schen, epis­te­mi­schen, lo­gi­schen Aus­sa­ge Glau­ben zu schen­ken, sie al­so als Wahr ha­ben zu wol­len – oder eben nicht. (Weil uns das z. B. bes­ser in den Kram passt, wel­cher Art die­ser Kram heu­te oder mor­gen, nach­her oder ge­ra­de jetzt auch sei.)

— Ge­dan­ken­sprung —

Die Lee­re ist kei­ne Tat­sa­che im ge­mei­nen Sin­ne. Sie ist ein Fak­tum, ein Sach­ver­halt des mensch­li­chen Geis­tes, von ihm ge­mach­tes, ein: Ar­te-Fakt, ein „künst­li­cher Sachverhalt“.

Die Welt ist nicht leer und das ge­mei­ne Nichts gibt es nicht. Doch be­vor wir ein Ur­teil fäl­len, be­vor wir die Welt er-ken­nen, ist sie für uns: leer. Bar je­den Ur­teils, bar je­den Sach­ver­halts, bar je­der Tat-Sa­che, bar je­den Dings.

Und dies ist ei­ne un(ver)mittelbare Ein­sicht der Ver­nunft. Kei­ne durch ei­ne Me­tho­de ver­mit­tel­te Er­kennt­nis des Verstandes.