Denkzettel 170

„Leben heißt Leiden“, heißt es, doch niemand sagte, am Leiden wäre auch zu leiden.

(Überwindung des Leids heißt nicht, es zu verdrängen, zu verstecken oder sich in Gleichgültigkeit zu üben oder es gar aus der Welt schaffen zu wollen. Es heißt, das Leid ertragbar zu machen. Denn dann verschwindet es, ohne dass es, mit welchen Tricks auch immer, vernichtet werden müsste. Und freilich hat auch eine solche Haltung, wie so vieles, seine individuellen Gestaltungen und Grenzziehungen.)

Denkzettel 141

Würde einem Menschen im Leben nichts fehlen, kein Mangel an irgendetwas bestehen: diesem Menschen würde im Leben etwas fehlen — es wäre mangelhaft.

Vollkommenheit, das ist: kein Werden mehr, gibt’s erst mit dem Ende des Lebens.

(Zuweilen hat ein Mensch das große Glück, aus seinen Mängeln denjenigen, den er als nächstes zu stillen gedenkt, selbst wählen zu können. Weil er ihn (an)erkennen kann.)

Denkzettel 130

Vielleicht sollte in der Philosophie zwischen der Philosophie als Wissenschaft, einem verstandesgetriebenen, rational-diskursiven „Reden über“ und der Philosophie als Lebensart, einem vernunftgetragenen, relational-narrativen „Reden von“, unterschieden werden.

Beide äußern sich zur intelligiblen Wirklichkeit, die wir mit unseren Wahrheiten zusammen( )bauen.

(Es ist klar, dass die Philosophie als Lebensart mehr (auf)zeigt denn die Philosophie als Wissenschaft (aus)sagen kann. »non vitae sed scholae discimus« — nicht für die Wissenschaft, für das Leben sollten wir philosophieren. Gleichwohl: die Wissenschaft ist Teil des Lebens.)

Wahrheit & Wirklichkeit

Über Kultur & Natur, Verstand & Vernunft, Erkenntnis & Einsicht. Über den Menschen. Als Tier.

Inwieweit kann über das Leben philosophiert werden im Sinne: eine ‚Wahrheit‘, (objektive) ‚Erkenntnisse‘, ‚Wissen‘ zu (er)finden?

Inwieweit findet sich die Philosophie des Lebens darin: es einfach zu leben, das je eigene Leben, wie es sich für ein Individuum ergibt, ergeben mag, ergeben will?

Darin, das je eigene Leben für sich zu bejahen, in aller Konsequenz — und über so gewonnene ‚Ansichten‘, (subjektive) ‚Einsichten‘, ‚Weisheit‘ sich, durchaus sich selbst und gegenseitig kritisch hinterfragend, auszutauschen, den eigenen Horizont so also erweiternd.

Inwieweit wäre eine Philosophie des Lebens … Weiterlesen➜