Denkzettel 173

Was passiert, eigentlich, wenn wir die Bedingung(en) der Möglichkeit von Erkenntnis erkannt haben? Oder, vielleicht habe ich ja da etwas nicht mitbekommen, befinde mich also dahingehend im Modus der Unwissenheit: Was passierte, eigentlich, als die Bedingung(en) der Möglichkeit von Erkenntnis erkannt war(en)?

(Im Hintergrund schwingt die Frage, ob diese Bedingung(en) überhaupt erkannt werden können? Und weiter, sollte dieses Erkennen unmöglich sein: Wie sehr hat unser Streben, unser Wollen, nach genau diesem Erkennen der Bedingung(en) der Möglichkeit von Erkenntnis unser Seinsverständnis geprägt — und womöglich einem nicht-erkennenden Akt, z. B. Erfahrung, der Bedingung(en) der Möglichkeit von Erkenntnis verunmöglicht?)

Denkzettel 154

Wo Rhythmus ist, gibt es auch eine Regel; wo eine Regel ist, ist auch Rhythmus.

Kant deutete darauf hin:

„Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.“ Beide verknüpfe ich mit dem Bewußtsein meiner Existenz.

Das Leben, die Welt, das Universum: Musik.

(Die Sitte ist ja letztlich Gewohnheit: Wiederkunft des Gleichen.)

Denkzettel 140

Die ethischen Gründe sind nicht wie die physikalischen Ursachen zu behandeln. Aus einem ethischen Grund folgt gar nichts zwingend. Aus dem Loslassen eines erhobenen Apfels jedoch schon. (Insofern das nun nicht metaphorisch aufgefasst wird.)

Die physische Welt und ihre Ursache ⇒ Wirkung ist die Sache des Verstandes, die nachphysische Welt und ihr Grund ⇒ Wahl eine Angelegenheit der Vernunft.

Denkzettel 130

Vielleicht sollte in der Philosophie zwischen der Philosophie als Wissenschaft, einem verstandesgetriebenen, rational-diskursiven „Reden über“ und der Philosophie als Lebensart, einem vernunftgetragenen, relational-narrativen „Reden von“, unterschieden werden.

Beide äußern sich zur intelligiblen Wirklichkeit, die wir mit unseren Wahrheiten zusammen( )bauen.

(Es ist klar, dass die Philosophie als Lebensart mehr (auf)zeigt denn die Philosophie als Wissenschaft (aus)sagen kann. »non vitae sed scholae discimus« — nicht für die Wissenschaft, für das Leben sollten wir philosophieren. Gleichwohl: die Wissenschaft ist Teil des Lebens.)

Wahrheit & Wirklichkeit

Über Kultur & Natur, Verstand & Vernunft, Erkenntnis & Einsicht. Über den Menschen. Als Tier.

Inwieweit kann über das Leben philosophiert werden im Sinne: eine ‚Wahrheit‘, (objektive) ‚Erkenntnisse‘, ‚Wissen‘ zu (er)finden?

Inwieweit findet sich die Philosophie des Lebens darin: es einfach zu leben, das je eigene Leben, wie es sich für ein Individuum ergibt, ergeben mag, ergeben will?

Darin, das je eigene Leben für sich zu bejahen, in aller Konsequenz — und über so gewonnene ‚Ansichten‘, (subjektive) ‚Einsichten‘, ‚Weisheit‘ sich, durchaus sich selbst und gegenseitig kritisch hinterfragend, auszutauschen, den eigenen Horizont so also erweiternd.

Inwieweit wäre eine Philosophie des Lebens … Weiterlesen➜

Denkzettel 124

Über Lebensart lässt sich prima fabulieren, narrativieren oder auch deliberieren. Doch es kann kein Gegenstand sein, der verwissenschaftlicht werden kann. Deshalb kann Lebenskunst kein Gegenstand wissenschaftlicher Philosophie sein. Unwissenschaftliche, unverwissenschaftliche Philosophie — ist denn das nicht ein lebensartiges Deliberieren, Narrativieren oder auch Fabulieren?