Denkzettel 201

Man könn­te schon der Ver­su­chung er­lie­gen, im Wah­ren, Gu­ten und Schö­nen letzt­lich die ge­sam­te Phi­lo­so­phie als Er­kennt­nis­theo­rie, Ethik und Äs­the­tik zu ent­de­cken und die drei Kri­ti­ken Kants, die der rei­nen Ver­nunft, die der prak­ti­schen Ver­nunft und die der Ur­teils­kraft, so zu­zu­ord­nen. Wie nun ist Kants Fra­ge »Was darf ich hof­fen?« je­doch äs­the­tisch auf­zu­fas­sen, wäh­rend doch »Was kann ich wis­sen?« und »Was soll ich tun?« ein­deu­tig der Er­kennt­nis und Ethik zu­or­den­bar sind? Doch viel­leicht ist die­se Fra­ge schlicht ei­ne nach Be­stimm­bar­keit, nach Sinn — und da­mit ei­ne äs­the­ti­sche. Denn geht es in der Äs­the­tik denn nicht um Wahr-Neh­mung? Das, was wir als wahr be­stim­men kön­nen, al­so: an­zu­neh­men be­rech­tigt sind? Eben: hof­fen dür­fen. Al­so um (ge)rechte Urteile?

(Viel­leicht wird es sich ja ein­mal er­wei­sen kön­nen, dass Kants Fra­ge »Was ist der Mensch?« die Fra­ge nach dem Of­fe­nen und die ei­gent­lich re­li­giö­se ist. Fragt sie, so ge­stellt, doch nach Ver­läss­li­chem, nach dem, wor­an sich an­ge­bun­den wer­den kann: Das Wah­re, das Gu­te, das Schö­ne, das Of­fe­ne? (Vom Gan­zen kann ja letzt­lich nur ge­schwie­gen werden.))

Denkzettel 173

Was pas­siert, ei­gent­lich, wenn wir die Bedingung(en) der Mög­lich­keit von Er­kennt­nis er­kannt ha­ben? Oder, viel­leicht ha­be ich ja da et­was nicht mit­be­kom­men, be­fin­de mich al­so da­hin­ge­hend im Mo­dus der Un­wis­sen­heit: Was pas­sier­te, ei­gent­lich, als die Bedingung(en) der Mög­lich­keit von Er­kennt­nis er­kannt war(en)?

(Im Hin­ter­grund schwingt die Fra­ge, ob die­se Bedingung(en) über­haupt er­kannt wer­den kön­nen? Und wei­ter, soll­te die­ses Er­ken­nen un­mög­lich sein: Wie sehr hat un­ser Stre­ben, un­ser Wol­len, nach ge­nau die­sem Er­ken­nen der Bedingung(en) der Mög­lich­keit von Er­kennt­nis un­ser Seins­ver­ständ­nis ge­prägt — und wo­mög­lich ei­nem nicht-er­ken­nen­den Akt, z. B. Er­fah­rung, der Bedingung(en) der Mög­lich­keit von Er­kennt­nis verunmöglicht?)

Denkzettel 154

Wo Rhyth­mus ist, gibt es auch ei­ne Re­gel; wo ei­ne Re­gel ist, ist auch Rhythmus.

Kant deu­te­te dar­auf hin: 

„Zwei Din­ge er­fül­len das Ge­müt mit im­mer neu­er und zu­neh­men­der Be­wun­de­rung und Ehr­furcht, je öf­ter und an­hal­ten­der sich das Nach­den­ken da­mit be­schäf­tigt: der be­stirn­te Him­mel über mir und das mo­ra­li­sche Ge­setz in mir.“ Bei­de ver­knüp­fe ich mit dem Be­wußt­sein mei­ner Existenz.

Das Le­ben, die Welt, das Uni­ver­sum: Musik.

(Die Sit­te ist ja letzt­lich Ge­wohn­heit: Wie­der­kunft des Gleichen.) 

Denkzettel 140

Die ethi­schen Grün­de sind nicht wie die phy­si­ka­li­schen Ur­sa­chen zu be­han­deln. Aus ei­nem ethi­schen Grund folgt gar nichts zwin­gend. Aus dem Los­las­sen ei­nes er­ho­be­nen Ap­fels je­doch schon. (In­so­fern das nun nicht me­ta­pho­risch auf­ge­fasst wird.)

Die phy­si­sche Welt und ih­re Ur­sa­che ⇒ Wir­kung ist die Sa­che des Ver­stan­des, die nach­phy­si­sche Welt und ihr Grund ⇒ Wahl ei­ne An­ge­le­gen­heit der Vernunft.

Denkzettel 130

Viel­leicht soll­te in der Phi­lo­so­phie zwi­schen der Philosophie als Wis­sen­schaft, ei­nem ver­stan­des­ge­trie­be­nen, ra­tio­nal-dis­kur­si­ven „Re­den über“ und der Philosophie als Le­bens­art, ei­nem ver­nunft­ge­tra­ge­nen, re­la­tio­nal-nar­ra­ti­ven „Re­den von“, un­ter­schie­den werden.

Bei­de äu­ßern sich zur in­tel­li­gi­blen Wirk­lich­keit, die wir mit un­se­ren Wahr­hei­ten zu­sam­men( )bau­en.

(Es ist klar, dass die Philosophie als Le­bens­art mehr (auf)zeigt denn die Philosophie als Wis­sen­schaft (aus)sagen kann. »non vi­tae sed scho­lae di­sci­mus« — nicht für die Wis­sen­schaft, für das Le­ben soll­ten wir phi­lo­so­phie­ren. Gleich­wohl: die Wis­sen­schaft ist Teil des Lebens.)