Denkzettel 146

Identitätspolitik ist der wohl immer zum Scheitern verurteilte Versuch, es Jedem und Jeder recht machen zu wollen. Und eigentlich ist das Wort Unsinn: eine Identität, eine Unverwechselbarkeit, die Einzigartigkeit ergibt sich aus der individuellen Kombination vieler diskriminierbarer Merkmale. Eine solche Politik wäre eine Politik für jede/n Einzelne/n. Also gar keine Politik, sondern die Befriedigung der Egos, „Egotik“, sozusagen. Das Wort sollte lauten: Ideologiepolitik. (Was als Pleonasmus angesehen werden könnte.)

(Was alles nicht verdunkeln soll, dass es jede Menge Minderheiten gibt, die sich nicht gesehen fühlen und mit Recht auf sich aufmerksam zu machen suchen. Denn im Grunde besteht die Welt  … Weiterlesen➜

Wahrheit & Wirklichkeit

Über Kultur & Natur, Verstand & Vernunft, Erkenntnis & Einsicht. Über den Menschen. Als Tier.

Inwieweit kann über das Leben philosophiert werden im Sinne: eine ‚Wahrheit‘, (objektive) ‚Erkenntnisse‘, ‚Wissen‘ zu (er)finden?

Inwieweit findet sich die Philosophie des Lebens darin: es einfach zu leben, das je eigene Leben, wie es sich für ein Individuum ergibt, ergeben mag, ergeben will?

Darin, das je eigene Leben für sich zu bejahen, in aller Konsequenz — und über so gewonnene ‚Ansichten‘, (subjektive) ‚Einsichten‘, ‚Weisheit‘ sich, durchaus sich selbst und gegenseitig kritisch hinterfragend, auszutauschen, den eigenen Horizont so also erweiternd.

Inwieweit wäre eine Philosophie des Lebens … Weiterlesen➜

Denkzettel 119

Wahre, wirkliche Individuen gelangen ob früher oder später an den Punkt, an und mit dem sie ihre Unvollkommenheit zu spüren bekommen. Dann werden sie nicht aus gesetzten moralischen Gründen, sondern aus Notwendigkeit sozial, in welcher Form auch immer. Diese Formen können kapitalistisch, sozialistisch, liberal, kommunistisch, national, diktatorisch, demokratisch,… sein, auf Zweisamkeit und Mehrsamkeit, auf Gemeinsinn oder Gemeinschaft basierend sein oder in welchen Formen sonst noch sich artikulieren, formatieren, in denen selbstbestimmte Fremdbestimmtheit gelebt werden kann.

Fremdbestimmte Selbstbestimmtheit ist ein Gegenteil von Individuum: das Dividuum.
(Menschen sind von Geburt an Individuen.)

Denkzettel 117

Mit einer Erwartung ist die Schuld schon in die Welt gebracht, mithin: eine Moral — Erwartungen schaffen Werte. („Prinzip Hoffnung“: die Welt der Gläubige{n|r}.)

Wird die Schuld beglichen, ist die Rechnung bereinigt, der Schuld gerecht geworden, genüge getan. Mit der Begleichung einer Schuld entsteht Gerechtigkeit. Gleichheit.

Eine Welt ohne Erwartungen wäre eine unschuldige Welt. Eine ‚wertlose‘ Welt. Eine wertfreie. Vielleicht dann eine Welt voller Achtung für die ‚Wertlosigkeit‘, für die Freiheit der Werte? (Statt deren Einkerkerung in einen Schuldturm.)

Eine Welt der: Achtungsmoral? Eine Welt der anerkannten und anerkennenden, ungleichen Selbstzwecke — und nicht eine der durch Schuld und deren  … Weiterlesen➜

Denkzettel 115

Mit der KI – und nicht nur damit – versuchen wir menschliche Maschinensklaven zu züchten — auf dass endlich alle Menschen Herren werden (könn(t)en).

Doch: Weshalb so menschlich? Lasst uns doch einfach nur Maschinen bauen, die für uns bloß nützliche Mittel sind. Um am besten solche, die wir nicht auch noch bedienen müssen, um für unsere Zwecke dienlich zu sein.

Wir wollen doch letztlich frei sein, Zeit für uns, unsere Liebsten und unsere Leidenschaften haben — und also keine bediensteten Gebieter über herrschaftliche Sklaven sein.

Außer freilich, dies ist eine Leidenschaft…

Denkzettel 114

Diese, unsere, Welt besteht nicht aus ‚dem Menschen‘, sondern aus den Menschen. Nicht aus einer Form, sondern aus Inhalten. Nicht daraus, wie es immer sein soll, sondern wie es ist, von Moment zu Moment.

Sie besteht aus Wirklichkeit, nicht aus Wahrheit — diese ist eine Idee von uns, mittels der wir uns in unserer Wirklichkeit orientieren können. Die uns einen Plan vermittelt.

Die intelligible Wirklichkeit, unsere kultürliche Welt, ist aus den Wahrheiten der Menschen über die natürliche Welt zusammengesetzt.

So also: Konstruiert, nur ohne Überplan. Denn ‚den Menschen‘ gibt es nicht. Es gibt ‚Leitideen‘ zu ihm — und  … Weiterlesen➜