Philosophie

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Grund­le­gend ist hier mit der ad­jek­ti­vi­schen oder ad­ver­bia­len Be­stim­mung „phi­lo­so­phisch“ ei­ne ge­wis­se Form des Ins-Of­fe­ne-ge­rich­tet-seins ver­bun­den. Ph. küm­mert sich so eher we­ni­ger um so et­was wie ‚Wahr­heit‘, son­dern rich­tet den Blick ins Un­be­stimm­te, in die Wirk­lich­keit, in der Wahr­heit kei­ne Rol­le spielt, weil die Fra­ge nach Wahr­heit oder Falsch­heit ir­rele­vant ist, bzw. mit ei­nem Be­wusst­sein ins Un­be­stimm­ba­re ge­blickt wird, dass über Wahr­heit und Falsch­heit nichts ge­sagt wer­den kann. Letzt­lich ist es ein Blick in die Man­nig­fal­tig­keit mensch­li­cher, als auch die ei­nes Men­schen, Pra­xis, Le­bens­pra­xis, Le­bens­voll­zug. Und be­schränkt sich da­bei auf den Ver­such der kla­ren Be­schrei­bung des­sen, was als Ist, im Sin­ne von Sein, be­weg­tes Ist, an­ge­schaut wer­den kann.

Es ist al­so ei­ne An­schau­ungs­be­schrei­bung, Wirk­lich­keits­dar­le­gung. Und die­se nun eben nicht in Hin­sicht auf ei­ne be­stimm­te em­pi­ri­sche oder nicht-em­pi­ri­sche Wis­sen­schaft, son­dern als Ganz­heit.

Die Vor­stel­lung ei­nes Gan­zen spielt im hier ver­wen­de­ten Phi­lo­so­phie­be­griff ei­ne be­son­de­re Rol­le. Wir mei­nen ja da­mit et­was – auch wenn wir über ein ab­so­lu­tes Gan­zes spre­chen und dort dann ganz be­son­ders. Wir mei­nen da­mit et­was, über das wir nichts sa­gen kön­nen, wo al­so al­le Wis­sen­schaft an ih­re Gren­ze ge­langt, weil sie Be­grenz­tes zur Grund­la­ge hat, sonst könn­te sie nicht Wis­sen­schaft sein.

Doch die For­schung, die et­was zu zei­gen ver­mag, auf et­was hin­deu­ten kann, nicht. For­schend kön­nen wir mit ei­nem ab­so­lu­ten Gan­zen, das not­wen­di­ger­wei­se kei­ne Gren­ze ha­ben kann, um­ge­hen – wis­sen­schaft­lich nicht. Theo­lo­gien, Eso­te­rik und an­de­re Ver­su­che, ein ab­so­lu­tes Gan­zes in ir­gend­ei­ner Form (pseudo-)wissenschaftlich zu fas­sen, fal­len nicht un­ter den hier be­schrie­be­nen Be­griff des Wor­tes „Phi­lo­so­phie“. Und in­so­fern es eben ei­ne Be­schrei­bung der Er­for­schung des Mensch-seins hin­sicht­lich sei­ner Ganz­heit ist, ist es phi­lo­so­phi­sche An­thro­po­lo­gie, al­ler­dings oh­ne wiss. An­spruch, al­so viel­leicht eher so et­was wie ei­ne phi­lo­so­phi­sche Anthropographie.

Die Me­tho­de die­ser Er­for­schung grün­det in der In­tui­ti­on1⇣»lat. in­tuērī ‘ge­nau auf etw. hin­se­hen, etw. geis­tig be­trach­ten’« (https://www.dwds.de/wb/Intuition[30.9.2020 – 17:55]). vgl. agr. … Wei­ter­le­sen… – nicht im Ver­ständ­nis un­hin­ter­frag­ten und ‑frag­ba­ren „Wis­sens“, son­dern im Wort­sin­ne: An­schau­en, letzt­lich: Das An­schau­en, al­so die Er­for­schung des ei­ge­nen Geis­tes. Und dies eben ist ei­ne In­nenschau. Und kei­ne In­tro­spek­ti­on, der un­ter­su­chen­de Blick nach in­nen, die eher als wiss. Me­tho­de taugt. 

Re­fe­ren­ces
1 »lat. in­tuērī ‘ge­nau auf etw. hin­se­hen, etw. geis­tig be­trach­ten’« (https://www.dwds.de/wb/Intuition[30.9.2020 – 17:55]). vgl. agr. »θεωρεῖν, theo­reîn, „be­ob­ach­ten, be­trach­ten, [an]schauen“« (https://de.wikipedia.org/wiki/Theorie [30.9.2020 – 17:55]); »theō­ría (θεωρία) ‘Be­trach­tung, Un­ter­su­chung’, be­son­ders ‘das wis­sen­schaft­li­che, geis­ti­ge An­schau­en’, ei­gent­lich ‘das Zu­schau­en’; zu griech. theōrós (θεωρός) ‘Zu­schau­er’.« (https://www.dwds.de/wb/Theorie [30.9.2020 – 17:55])
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