Denkzettel 106

Der Über­mensch: der, der man sein soll, zu dem man ver­an­lagt, be­gabt, ir­gend­wie auch: ver­ur­teilt ist. Die­sen Über­men­schen in sich zu er­ken­nen, ist ei­ne un­ge­heu­re, nicht nur in­tel­lek­tu­el­le An­stren­gung. Ein Akt in­ten­sivs­ten Den­kens, mit al­len Sin­nen, um nicht ei­ner ge­fäl­li­gen Il­lu­si­on auf­zu­sit­zen. Al­so in al­ler­schärfs­ter Red­lich­keit, Mo­ral, nach ihm zu trach­ten, Mut zu ihm zu ha­ben; nach bes­tem Wis­sen und Ge­wis­sen, nicht nach Er­war­tun­gen An­de­rer. Und al­so kei­nem Ide­al hin­ter­her­zu­lau­fen wie ein Schaf in der Her­de dem Schä­fer, be­wacht von des­sen Hund, son­dern die ‚Wahr­heit‘ über sich, das ‚wah­re‘ Ich, sich selbst in Er­fah­rung brin­gen: Sei­ne Wirk­lich­keit begreifen.

Viel­leicht ist die­ser Über­mensch, die ei­ge­ne ‚Klas­se‘, der ei­ge­ne ‚Typ‘, nicht er­reich­bar, un­er­reich­bar — wie die Weisheit.
Kein Grund je­doch, je­ne klas­se Ty­pe (w/d/m), je­nen Über-Mensch in sich nicht zu achten.
Kein An­lass, kein Freund sei­ner selbst sein zu wol­len. Und da­mit: Anderer.

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