Denkzettel

… sind Aufzeichnungen gedanklicher Augenblicke, Impressionen. In eine kurze Sentenz wie ein Aphorismus gesetzt oder allein durch ein Bild zum Ausdruck gebracht. Es sind keine Leistungen, also nichts aus irgendwelchen Regeln Resultierendes, Geschlossenes oder Gefolgertes — es sind sich ergeben habende verwortete Gedanken.

Auch Zitate sind hier zu finden.

Denkzettel 235

Eigentlich braucht es mindestens zwei Worte, um von einer Sache reden zu können. Wenn z. B. vom Denken geredet werden will, ist gut daran getan, auch vom Rechnen zu reden. Mit Hilfe der Differenz kann sich zeigen, was mit Denken gemeint sein will — und was zum Ausdruck gebracht werden möchte, wird das Verb „rechnen“ benutzt. Will meinen: Es bedarf mindestens zweier Perspektiven, um einen Begriff bilden zu können.

(Das Wörtchen „nicht“ fungiert da durchaus als Heinzelmännchen. Und Jaspers sagt ja auch, wohl Nietzsche folgend: Die Wahrheit beginnt zu zweien.)

Denkzettel 231

Der Autoritarismus bietet jenen, die sich ihm untertun – oder untergetan werden –, das frei sein vom „frei sein zu“. Gerne verkauft er sich so als eine Form von Liberalismus; geriert sich in seinen Anfängen, um zu verfangen, als Freiheitsgarant.

Eben: Als ‚-ismus‘ wird das Liberale beworben und verkauft. Schon allein damit scheint das Autoritaristische darin auf.

Denkzettel 228

Selbst wenn sich ein Universum ohne Menschen vorgestellt werden kann, ist da mindestens ein Mensch, der sich ein Universum ohne Menschen vorstellen kann. Was geschieht mit diesem Universum, diesem: Ganzen, wenn auch dieser Mensch daraus verschwindet? Was kann – muss! – dann noch über dieses Ganze gesagt werden? Existiert (Verb!) es dann überhaupt — wenn das letzte empfindungsfähige Wesen aus ihm entwichen ist? Oder bleibt dann nichts als ein amorphes, ananthroposales ‚Energetisches‘, eine Potentialität, reine Form ohne jegliche Gestalt, die ja durchaus „Sein“ (Nomen!) genannt werden könnte? (Und eben nicht „Nichts“. Indes nun: Leer — ohne Gestalt, also ohne  … Weiterlesen➜