Denkzettel 106

Der Übermensch: der, der man sein soll, zu dem man veranlagt, begabt, irgendwie auch: verurteilt ist. Diesen Übermenschen in sich zu erkennen, ist eine ungeheure, nicht nur intellektuelle Anstrengung. Ein Akt intensivsten Denkens, mit allen Sinnen, um nicht einer gefälligen Illusion aufzusitzen. Also in allerschärfster Redlichkeit, Moral, nach ihm zu trachten, Mut zu ihm zu haben; nach bestem Wissen und Gewissen, nicht nach Erwartungen Anderer. Und also keinem Ideal hinterherzulaufen wie ein Schaf in der Herde dem Schäfer, bewacht von dessen Hund, sondern die ‚Wahrheit‘ über sich, das ‚wahre‘ Ich, sich selbst in Erfahrung bringen: Seine Wirklichkeit begreifen. … Weiterlesen➜

Denkzettel 104

Juristisch (Art. 1 GG BRD) Moralisch
»(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.« „Die Würde des Menschen ist antastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“
Weshalb sollte etwas geschützt werden müssen, das unantastbar ist? Ist es durch die Unantastbarkeit selbst nicht schon geschützt? Denn unverletzbar ist sie keineswegs.

Nie.

»(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.« „Die Bürger als Bürgen des Staates bekennen sich damit zur

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Denkzettel 102

Wenn Ungerechtigkeit festgestellt wird, wird irgendetwas irgendeinem Maß nicht gerecht.
Z.B. das eigene Leben oder jenes Anderer den eigenen oder fremden Erwartungen nicht.
Und Erwartungen werden mit Regeln begründet; „in der Regel“, „regelmäßig“, „regelkonform“, wie man so sagt.
(Oder auch: „So soll es sein!“ — Auch nichts anderes als eine Regel.)
(So gesehen sind Enttäuschungen zu den Ungerechtigkeiten dieser Welt zu zählen.)

Es kann auch gesagt werden: Irgendetwas richtet sich nicht nach einer Regel oder den Regeln aus. Dann ist es nicht richtig (ausgerichtet).

(Und Regelmäßigkeit, Regelrichtigkeit, Regelkonformität können wir am Himmel beobachten; Tag für Tag, Nacht für Nacht.)

Doch  … Weiterlesen➜

Und die Moral von der Geschicht’ …

Nietzsches »Jenseits von Gut und Böse«, nur anders

Das „Jenseits von“ dieser Betrachtung ist das Jenseits von Mythos und Logos und will nun überhaupt keine Theologie als Grammatik verstehen (Wittgenstein/Luther) oder andere Tricks einsetzen, um über etwas zu reden, wovon notwendigerweise nur geschwiegen werden kann. Dies Jenseits ist gefasst in Sprachlosigkeit, über die gesprochen werden soll, auch wenn sie eben nicht direkt ausgesprochen werden kann. Denn in dieser Sprachlosigkeit verschwindet der Mensch ja nicht. Er bleibt ja da — nun eben als Natur-, nicht als Kulturwesen. Seine Lebenswelt mag da seine Grenze finden, seine natürliche Weltlich- und Wirklichkeit  … Weiterlesen➜

Denkzettel 100

Die Welt erfassen und nicht begreifen;
Einsichten haben statt sich Erkenntnisse verschaffen;
sich mit der Welt vernünftig befassen und sie nicht mit dem Verstand ergreifen wie einen flüchtigen Verbrecher, dingfest machend;
Lebenswelt verstehen statt naturlos Kultur zu erklären;
Weisheit üben statt Wissen anhäufen, wofür die Wissen schaffenden Disziplinen zuständig sind:
Indie-Philosophie.

Denkzettel 98

[Ein authentischer Gedanke wurde geäußert.]

„Das ist nun nichts Neues, das sagte schon xyz in abc, Seite n! (Das sollten Sie aber wissen!)“

Darum geht es doch beim »sapere aude!« gar nicht! Es geht vielmehr darum, festzustellen (oder auch: feststellen zu lassen), einem Kant, Nietzsche, Wittgenstein,… nach gedacht zu haben (verständig vielleicht, doch unwissentlich) — statt einem Solchem (unverständig vielleicht, doch wissentlich) nachgeplappert zu haben.

(Das macht noch Niemanden zum Philosophen (w/d/m), indes doch einen denkenden Menschen aus. Was will man mehr?)