Ansichten

… sind keine Wahrheiten im logischen Sinn. Sie sind die Beschreibung von Anschauungen. Wie Ansichtskarten keine Wahrheiten verkünden, sondern einen Blickwinkel auf etwas zeigen.

Denk nicht, sondern schau!

Ludwig Wittgenstein

Turing-Test

Oder: Was macht ein Argument zwanglos zwingend besser?

Alan Turing stellte sich 1950 die Frage, wie man wohl feststellen könnte, ob eine Maschine, vom Computer ist die Rede, ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen habe und entwickelte den nach ihm benannten Test1↓https://de.wikipedia.org/wiki/Turing-Test. In Zeiten sog. künstlicher Intelligenz eine Frage, die wir uns vielleicht des öfteren stellen (sollten), wenn wir am Telefon ein Telekommunikationsproblem lösen wollen oder in einem Chat in einer Unterhaltung uns befinden.

Jürgen Habermas prägte die  … Weiterlesen➜

Sippensüppchen

Über Hunde und Rindviecher. Über Identität und Ideologie. Was Rassismus mit der sog. künstlichen Intelligenz zu tun haben könnte.

„Rassismus“ und anverwandte Wortbildungen mit „Rasse“ auf den Menschen bezogen sind derzeit häufig zu vernehmen – auch wenn feststeht1↓vgl. Jenaer Erklärung., dass sich die verschiedenen Normvarianten des Menschen nicht wie Hunde oder Rindviecher in Rassen unterteilen lassen2↓Und die Frage aufkommen darf, ob es da nicht ebenso ist. „Rasse“ mächte (exaltierter Konjunktiv) nur dann Sinn, wenn  … Weiterlesen➜

Staatsmacht?

Von einer tatsächlichen Begebenheit. Über situativ angemessenen Vollzug besonderer Anordnungen. Über Autoritarismus.

Die kleinsten Unteroffiziere sind die stolzesten.

Georg Christoph Lichtenberg

Wir schreiben Dienstag, den 2. Juni anno 2020. Es ist der Dienstag nach Pfingsten, so um 11 Uhr des Vormittags, strahlender Sonnenschein, 25°C, bestimmt schon, gefühlt allemal. Wochenmarkt in Landau in der Pfalz, Bundesland Rheinland-Pfalz, Deutschland, auf dem sogenannten alten Messplatz. Wegen Corona-Pandemie vom zentraleren Rathausplatz verlegt, um die Stände auf eine größere Fläche zu verteilen, geschätzt wohl doppelt so groß. Die Stände in der Fläche großzügig aufgestellt und viel weniger Stände als sonst, eben wegen Pfingsten; Marktbeschicker/innen möchten  … Weiterlesen➜

Schauen trauen

Ein Versuch, die Verschwörungstheorie-Bewirtschaftung zu verstehen. Über Angst und ihre Gesichter. Über Mut.

Auch ich spüre ein deutliches Unbehagen und möchte nichts über Todesraten und Reproduktionszahlen wissen, sondern Zahlen, mit denen ich das Risiko selbst einschätzen kann. Ich möchte relative Zahlen. Irgendein Maßstab, der angelegt wird. Ich möchte nicht, das Corona zum Maßstab gemacht wird. Absolutismus hat noch nie zu etwas Gutem geführt. Außer zur Aufklärung, natürlich.

Letztlich ist es die Angst, die sich da unbehaglich meldet, mit der ich umzugehen habe, mit der ich ein Verhältnis eingehen sollte. Doch ich bemerke, wie ich immer wieder ins Gefühl des Misstrauens  … Weiterlesen➜

Eine neue Weltordnung?

Über Archipele und Architekten, über Anarchie und Archäologie. Über das Erste.

Viele reden in diesen Zeiten von einer neuen Normalität, die kommen wird. Doch ist denn Normalität nicht ständig einem Wandel unterworfen? Ist das Aufkommen einer sogenannt neuen, letztlich nicht nur der Wandel der einen Normalität in eine andere Form und damit völlig normal? Wie auch wir, wenn wir in den Spiegel schauen, zwar stets den selben, doch nie den gleichen Menschen sehen. Manche Normalitätsflüsse sind sehr langsam, einem Mount Everest sieht man die stete Veränderung nicht so an wie einer Kirschblüte in ihrem Werden und Vergehen – dieses Vergehen,  … Weiterlesen➜

Lebe lang und erfolgreich!

Sterben in Zeiten einer Pandemie

Viel wird da jetzt gegen Boris Palmer gewettert, gegen Wolfgang Schäuble nicht, zumindest soweit ich die Medienlandschaft verfolge. Obwohl beide im Grunde das Gleiche sagten. Der eine in jugendlichen, unerfahrenen Leichtsinn, der andere mit dem Gewicht der höheren Lebenserfahrung. Allein der Jahre wegen, doch ohne Schwermut.

„Sie müssen sterben!“ hallt es durch die Gesellschaft.

Machen wir uns doch mal ehrlich, wagen wir es einmal: „Aber natürlich müssen sie sterben.“

Und natürlich erschrecken wir angesichts der hohen Zahl an Toten in Italien und erschrecken, wenn wir uns Bilder aus New York in Erinnerung rufen. „So viele  … Weiterlesen➜

Maskierte Pflicht?

Die Versuchung der Unerkennbarkeit

Wenn ich in diesen Tagen so manchmal durch die Stadt laufe – freilich nur aus und mit trifftigem Grund – fallen mir Menschen mit Masken auf. So weit, so wenig überraschend. Genauso fallen mir jene Mitläufer:innen ohne auf. Und soweit ich das bisher beobachten konnte, überwiegen die nicht-maskierten.

Das fordert mich zum Nachdenken über’s Maskentragen auf. Als erstes fiel mir der Karneval ein, eine Zeit, in der sich hinter Masken versteckt wird, um dem Einen oder der Andern „da oben“ mal so richtig die Meinung geigen zu können, oder um sich einfach mal als jemand anderer  … Weiterlesen➜

Ein Haus braucht ein Fundament

Was kann bleiben nach Corona?

Ich bin auf dem Boden meiner Überzeugungen angelangt.
Und von dieser Grundmauer könnte man beinahe sagen,
sie werde vom ganzen Haus getragen.

Ludwig Wittgenstein

Es sind bewegte und für manche bestimmt auch bewegende Zeiten. Ich zähle mich da durchaus zu den Letzteren mit dazu, aus rein individuellen und letztlich persönlichen Gründen. Ich ziehe für mich ein zufriedenstellendes Fazit: Soweit ich das zu diesem Zeitpunkt überblicken kann, hat mir die Ausnahmesituation, in der sich Landau – mein Wohnort in der Pfalz – und der Rest der Welt befindet, durchaus etwas gebracht. Ahh, das ist jetzt zu  … Weiterlesen➜

Indigenialität

Ein paar Gedanken zu etwas zutiefst Menschlichem

Weber, Andreas: Indigenialität
Nicolai, Berlin 2018. 120 S., 20,00€
(auch als e-Book erhältlich)

Als Rezension zu diesem Buch des Dr. phil. und als Schriftsteller und Journalist sowie als Hochschuldozent tätigen Autors Andreas Weber kann dieser Beitrag wohl nicht angesehen werden. Vielmehr ist er ein Protokoll eines Gedankenganges, zu dem die Lektüre des Textes angeregt hat.

Den Inhalt des Buches möchte ich gerne mit „Was Sie schon immer über Weisheit wissen wollten, aber nie zu fragen wagten.“ illustrierend zusammenfassen. Das Buch kam mir manchmal etwas arg panpsychistisch, irgendwie weltfremd, irgendwie esoterisch, vielleicht für manche  … Weiterlesen➜

Zwei Jäger treffen sich im Wald.

Anmerkungen zu Zorn, Daniel-Pascal: „Shooting Stars“. Philosophie zwischen Pop und Akademie.

Um es vorweg zu nehmen: Der Verfasser dieser Zeilen hier über oder zu o.g. Titel, im folgenden schlicht „ich“, ist auf’s Angenehmste überrascht: Zwei Stunden erhellende Lektüre ohne akademisch-elaboriertes Gerede, sondern luzid und konzis vorgetragene Perspektiven auf das, was als „Populärphilosophie“ und das, was als „akademische Philosophie“ bezeichnet wird. Ein angenehmer Text, der sich vor allen Dingen darin übt, das im Text Geforderte selbst zu erfüllen: Voraussetzungen zu klären. Und das weder in simplifizierender populistischer Manier noch in verkomplizierender Elitär-Attitüde. Sondern in der Anstrengung, leicht und dennoch präzise darzulegen,  … Weiterlesen➜